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PEFC: Start in den Revisionsprozess

Im Turnus von fünf Jahren stellt PEFC Deutschland e.V. seine Standards und Verfahren auf den Prüfstand, um sich kontinuierlich zu verbessern. Am 25. Juni stieg PEFC in Berlin in den 4. Revisionsprozess ein. In einem konstruktiven Diskussionsforum brachten rund 90 Waldinteressierte erste wertvolle Gedanken in das mehrmonatige Verfahren ein.

Als eine „gute Übung“ bezeichnete Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Vorsitzender von PEFC Deutschland, den Revisionsprozess und eröffnete das Dialogforum im Spreespeicher in Berlin. Gemäß dem Regularium von PEFC International wird in den nächsten Monaten besprochen, „was sich bewährt hat, was problematisch ist, was geändert werden sollte und welchen Herausforderungen sich das System stellen muss“. Dabei verwies er auf die aktuelle Waldkrise durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer. Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, ermunterte die Anwesenden, die Gedanken frei auszutauschen, da erst am Ende des Prozesses ein Konsens zwischen den beteiligten Interessengruppen zu erreichen sei.

„Wie sehen andere PEFC?“ fragten sich die Diskutanten der ersten Gesprächsrunde, moderiert von Christoph Rullmann, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Nach einem Impulsvortrag von Karen Sternsdorff, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, zur Anerkennung von Labels wie PEFC im „grünen“ Bausektor, tauschten Gerd Pfitzenmaier, Die Verbraucher-Initiative, und Ulrich Bick, Thünen-Institut, mit der Referentin Erfahrungen und Studienergebnisse aus. Per Videobotschaft brachte Dr. Susanne Winter, WWF Deutschland, ihre Anstöße ein.

Gerd Klötzer vom Bund Deutscher Forstleute moderierte die Runde 2 „Erholung“. Sollen Kur- und/oder Heilwälder in den PEFC-Erholungswald-Standard integriert werden? Warum tragen nicht mehr Wälder das Erholungswald-Zertifikat? Diese und ähnliche Fragen stellten sich, nachdem Harald Menning einen Einblick in die Aktivitäten des Landesforst Mecklenburg-Vorpommern gewährt hatte.

Den Themenblock 3 „Wald & Wild“ gestalteten nach einer engagierten Einführung von Stefan Boschen, Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Hessen, („noch nie so viel Schalenwild wie heute“) die Fachleute Dr. Astrid Sutor („es liegt nicht an der Jagdstrecke, sondern an den Rahmenbedingungen“), Deutscher Jagdverband, Mathias Graf von Schwerin vom Ökologischen Jagdverband Brandenburg („konsequente Vorsorge und Durchgriff“) und Prof. Dr. Sven Herzog („die Lösung liegt in einem umfassenden Wildtiermanagement“), TU Dresden.

Die Gesprächsrunde 4 „Sozialstandards und Dienstleister“ eröffnete Sylvia Settekorn, Forstunternehmerverband Brandenburg, mit einem persönlichen Einblick in die Praxis der PEFC-Zertifizierung. Sie regte eine Gruppenzertifizierung von Waldbesitzern unter der Leitung von Forstunternehmern an. Nikolaus Landgraf, IG BAU, Ulrich Dohle, BDF, Joachim Morat, KWF, und Christian Lüschow, SVLFG, förderten unter der Gesprächsleitung von Norbert Harrer, Deutscher Forstunternehmerverband, dann weitere Ansätze zutage:

  • Einsatz qualifizierter Forstunternehmer auch im Kalamitätsfall
  • Personalkonzept in Standards berücksichtigen
  • faire Bezahlungssysteme in Vergabeverfahren

Das PEFC-Regionallabel „zwischen Ladenhüter und Must-have“ war das Thema der fünften Runde. Nach einführenden Worten von Moderator Lukas Freise, Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher, stellte Prof. Dr. Tobias Cremer, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die Ergebnisse einer Umfrage zum „Regionallabel“ vor, die im Rahmen einer Bachelorarbeit durchgeführt worden war.

Danach informierte Ewald Elsäßer, Forum Weißtanne, über die proaktive „Gut Holz“-Kampagne aus Baden-Württemberg. Sébastien Droz, LIGNUM Schweiz, meinte, dass der lokale Konsum eine wichtige Chance für die Holzindustrie sei, und berichtete, dass es im Alpenland neun Jahre und ein festes Marketingteam gebraucht habe, um beim Herkunftszeichen Schweizer Holz die Branche an Bord zu bekommen.

Die Besucher des Dialogforums, die am Vortag schon mehrheitlich an der abendlichen Feierstunde zum 20. Jubiläum von PEFC Deutschland teilgenommen hatten, diskutierten abschließend im Plenum über „Innovationen und kontinuierliche Verbesserung“, d.h. womit sich PEFC in den kommenden Jahren beschäftigen sollte.

Im nächsten Schritt werden Arbeitsgruppen zu den in Berlin angerissenen Schwerpunktthemen gebildet. Eine erste Sitzung ist noch in diesem Jahr vorgesehen, voraussichtlich im Dezember. Dessen ungeachtet können Interessierte aller gesellschaftlichen Gruppen jederzeit eigene Vorschläge zum Beispiel per E-Mail (info@pefc.de) bei PEFC Deutschland einreichen.

sbr / 04.07.2019


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